Kantone und Lehrerschaft wollen den Lehrplan 21

An einer Medienkonferenz hat Regierungsrat Dr. Anton Schwingruber, Bildungsdirektor des Kantons Luzern und Präsident der Steuergruppe des Lehrplanprojekts, über die Ergebnisse der Vernehmlassung und den aktuellen Stand der Vorarbeiten für den Lehrplan 21 informiert. In der Vernehmlassung wurde die Erarbeitung eines gemeinsamen Lehrplans für die deutsch- und mehrsprachige Schweiz begrüsst.

 

Die Plenarversammlung der Deutschschweizer Erziehungsdirektorinnen und -direktoren hat nun erste Entscheide zum weiteren Vorgehen getroffen. Im Frühling 2010 werden die Kantone über ihre Teilnahme an der Erarbeitung des Lehrplans 21 entscheiden. Voraussichtlich im Herbst 2010 startet die eigentliche Erarbeitung des Lehrplans 21. Der Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, Beat W. Zemp, erklärte an der Medienkonferenz die Bereitschaft des LCH zur Mitarbeit.

 

Die Vernehmlassung zu den ‘Grundlagen für den Lehrplan 21‘ ist abgeschlossen. Rund 100 Stellungnahmen sind bei der Projekt-Trägerschaft eingetroffen und ausgewertet worden. Anton Schwingruber, Präsident der Steuergruppe, hält fest: „Im Grundsatz zeigt sich eine breite Zustimmung zum Vorhaben, einen gemeinsamen Lehrplan zu erarbeiten. Insbesondere die Kantone und Lehrerverbände sind mit den vorliegenden Grundlagen in zentralen Punkten einverstanden. In den Detailfragen gingen in der Vernehmlassung die Meinungen, wie dieser gemeinsame Lehrplan aussehen soll, allerdings zum Teil noch auseinander.“

 

Die Plenarversammlung der Deutschschweizer Erziehungsdirektorinnen und -direktoren hat aufgrund der Stellungnahmen u.a. folgende Entscheide getroffen:

 

  • Die Gliederung des Lehrplans nach Fachbereichen anstelle einzelner Fächer wird grundsätzlich beibehalten. Auf der Sekundarstufe I werden aber klare Bezugspunkte zu den Fächern Chemie, Physik, Biologie, Geografie und Geschichte ausgearbeitet, die im Lehrplan ausgewiesen werden.
  • Bei den überfachlichen Kompetenzen wird „Ausdauer entwickeln“ aufgenommen.
  • Die Gliederung der überfachlichen Themen orientiert sich neu an der Strategie des Bundesrates zur Nachhaltigen Entwicklung.
  • Berufliche Orientierung und ICT/Medien erhalten mehr Gewicht. Die Inhalte werden in eigenen Arbeitsgruppen vorbereitet.
  • Die Stundendotation für Mathematik wird erhöht. Mathematik hat somit gleich viele Stunden wie die Schulsprache Deutsch.
  • Eine Stundentafel wird als Empfehlung an die Kantone ausgearbeitet.
  • Latein als Teil der gymnasialen Vorbildung ist an sich nicht Gegenstand des Lehrplans 21. Wenn mehrere Kantone einen Latein-Lehrplan wünschen und finanzieren, kann ein solcher erarbeitet werden.
  • Der Einbezug der abnehmenden Stufe (Berufsbildung und allgemeinbildende Schulen) ins Erarbeitungsprojekt wird sichergestellt.

 

Die Kantone sind nun in einen Konsensfindungsprozess eingetreten, der bis im Frühling 2010 dauern wird. Dabei werden zentrale Punkte aus der Vernehmlassung aufgenommen, diskutiert, in den Grundlagenbericht eingearbeitet und verabschiedet. Im Frühling 2010 entscheidet jeder Kanton, ob er sich an der Erarbeitung des Lehrplans 21 beteiligen will. Der LCH wird sich dafür einsetzen, dass möglichst alle 21 Kantone der Projektvereinbarung zum Lehrplan 21 beitreten. Die Lehrerschaft will einen verbindlichen Lehrplan für alle deutsch- und mehrsprachigen Kantone.

 

Der Lehrplan wird so ausgestaltet, dass er in Kantonen mit einem oder zwei Kindergartenjahren eingesetzt werden kann. Daher können sich alle deutsch- und mehrsprachigen Kantone am Projekt beteiligen, unabhängig davon, ob sie dem HarmoS-Konkordat beitreten oder nicht. Da jeder einzelne Kanton in eigener Kompetenz über die Einführung des Lehrplans 21 entscheidet, bleibt die Hoheit der Kantone bestehen.

Geplant ist, dass die Erarbeitungsphase im Herbst 2010 beginnt. Die Inhalte des Lehrplans werden von Teams erarbeitet, die sich aus Fachpersonen der Fachdidaktik sowie Lehrpersonen aus der Schulpraxis zusammensetzen. Voraussichtlich im Frühling 2014 wird der Lehrplan 21 den Kantonen zur Einführung übergeben.

 

Entstehung des Lehrplans 21

Die drei deutschsprachigen EDK-Regionalkonferenzen (NW EDK, EDK-Ost und BKZ) haben im Jahr 2004 einen Vorschlag für einen gemeinsamen Lehrplan zur Diskussion gestellt. Nachdem die Kantone positiv darauf reagiert hatten, konnten Ende 2006 die Arbeiten am Lehrplanprojekt aufgenommen werden. Das Projekt wurde in zwei Etappen aufgeteilt: In einer ersten Phase wurden die Grundlagen des Lehrplans erarbeitet, und in einer zweiten Phase soll der Lehrplan erarbeitet werden. Am Grundlagenprojekt beteiligen sich alle 21 Deutschschweizer Kantone. In Anlehnung an das 21. Jahrhundert und die 21 Projektkantone heisst der neue Lehrplan Lehrplan 21.

Die am Projekt beteiligten Kantone lösen mit dem Lehrplan 21 die in der Bundesverfassung festgeschriebene Verpflichtung ein, die Ziele und Inhalte der Schule zu harmonisieren. Auch das HarmoSKonkordat sieht vor, dass die Lehrpläne sprachregional koordiniert werden. Der neue Lehrplan leistet einen wichtigen Beitrag zur Harmonisierung der obligatorischen Schule.

Mit einem gemeinsamen Lehrplan werden Mobilitätshindernisse für Familien mit schulpflichtigen Kindern und Lehrpersonen weiter abgebaut. Der Lehrplan gibt Orientierung für Lehrpersonen, Eltern, Schülerinnen und Schüler, die Sekundarstufe II, die Pädagogischen Hochschulen, die Lehrmittelverlage etc. Die in den Kantonen anstehenden Lehrplanarbeiten werden gemeinsam, breit abgestützt und kostengünstig angegangen. Der gemeinsame Lehrplan baut auf den bestehenden Lehrplänen sowie auf neusten fachlichen Erkenntnissen auf. Er soll übersichtlich, einfach, verständlich und benutzungsfreundlich gestaltet werden.

 

Weitere Auskünfte erteilen

– Regierungsrat Dr. Anton Schwingruber, Präsident Steuergruppe Lehrplanprojekt, Vorsteher Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern,Tel. 041 228 52 01

 

– Nicole Wespi, Kommunikationsbeauftragte Lehrplan 21, Tel. 079 711 27 43

 

– Beat W. Zemp, Zentralpräsident LCH Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, Tel. 044 315 54 54 oder 061 903 95 85

AnhangGrösse
Die Medienmitteilung als PDF herunterladen25.92 KB
Auswertungsbericht der Vernehmlassung656.96 KB
Grundlagenbericht für den Lehrplan 21261.17 KB
Referat der Projektleitung176.32 KB
Stellungnahme des LCH69.38 KB
Zeitplan des Projekts223.08 KB